Kassandra - Experimentelles Musiktheater

Kassandra – die Frau, die ausspricht, was die anderen nicht sehen wollen oder können, deren Warnungen weder Gehör noch Glauben finden, die nicht verstanden und ernst genommen, sondern verspottet, mundtot gemacht und weggesperrt wird. Für uns ist diese Figur Ausgangspunkt eines experimentellen, politischen Musiktheaterstücks.

Kassandra inspiriert uns, das Phänomen der Resonanz – als Beziehung zwischen Performerinnen und Publikum – musikalisch und szenisch zu untersuchen: Warum wird Kassandra nicht verstanden? Liegt es an der Blindheit, Taubheit, der mangelnden Wahrnehmungsfähigkeit der Adressat*innen? Oder an der Sprachlosigkeit, Stimmlosigkeit, mangelnden Ausdrucksfähigkeit der Sprecherin? Wie klingt die Stimme einer Frau, von der alle nur Unglücksprophezeiungen erwarten?

Julia Hagenmüller (Sopran/Performance) und Lena Spohn (Mezzo/Performance), die Komponistinnen Huihui Cheng, Anna Korsun und Katharina Roth sowie die Regisseurin/Szenographin Kapitolina Tcvetkova-Plotnikova lassen aus diesen Fragen drei musiktheatrale Situationen entstehen. Die Annäherung an Kassandra bleibt dabei bewusst brüchig und widersprüchlich. Die Figur verweigert sich der eindeutigen Identifikation und lässt uns gerade deshalb uns selbst in ihr wiederfinden.

Die beiden Sängerinnen verkörpern verschiedene Versionen oder Aspekte derselben Kassandra. So ergeben sich vielschichtige (Selbst-)Gespräche von und mit einer Frau, die sich in einem permanenten Kampf mit sich und ihrer Umwelt befindet. Diese psychische Extremsituation bringt sie an den Rand des Sagbaren. Kassandra ringt um Worte und Klänge, sucht ihre Stimme. Performerinnen und Publikum treten in eine Resonanzbeziehung: Jede*r Einzelne im Publikum ist Zeug*in dessen, was Kassandra sagt, ist Zuhörer*in und Gegenpart der Titelfigur. Flexible Raum- und Klanginstallationen machen Veränderungen der Lage Kassandras spür- und hörbar. Auch durch Lichteffekte werden Beziehungen der (Un-)Sichtbarkeit oder (Un-) Verständlichkeit unterstrichen, auditive wie visuelle Wahrnehmbarkeit verhandelt.

"Die andere Liebe"

Das Thema Liebe im Kunstlied haben wir musikalisch und choreographisch aus der Perspektive von Frauen untersucht. Als Interpretinnen ist es uns ein Anliegen, in einem so männlich geprägten Genre, wie dem Kunstlied, nach denjenigen zu forschen, die als Komponistinnen und Textdichterinnen bisher fast vergessen wurden.
In Kooperation mit dem Archiv Frauen und Musik in Frankfurt haben wir Notenmaterial vergessener Komponistinnen und Textdichterinnen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien seit dem 19 Jhdt. gesichtet: Die Schieflage zwischen weiblicher und männlicher Perspektive im Kunstlied können wir aufzeigen und werden unter anderem Werke von Augusta Holmès, Johanna Kinkel, Anke Stelling und Charlotte Jaques zur Aufführung bringen. Im Tanz möchten wir Verbindungen zwischen den Liedern schaffen, Bögen spannen und theatrale Situationen entstehen lassen, die das Thema Frauen als Künstlerinnen und ihren Kampf um Anerkennung, ihre Lebenssituationen assoziativ vertiefen und erfahrbar machen: Das klassische Kunstlied und hergebrachte Rollenmuster verschmelzen in der Performance mit den Ausdrucksformen des Tanzes und werden experimentell und undogmatisch erkundet.

Mit: Lena Spohn (Mezzo, Performance), Mildred Derenty-Camenen (Klavier, Arrangement),
Alexandra Mahnke (Tanz, Choreographie), Dr. Mascha Riepl-Schmidt (Dramaturgie, Recherche).
 

Orgel + Mezzo

Ulrich Pakusch, Orgel

https://www.ulrichpakusch.com/

Lena Spohn, Mezzo

C'est la vie - eine Hommage an Michel Berger

Michel Berger starb früh und tragisch. Seine Kompositionen sind der rote Faden dieses eigenwilligen Abends und schlagen eine Brücke vom Schubert zu France Gall.

Sein wildes Leben endete mit 44 tragisch bei einem Tennisspiel in sommerlicher Hitze mit einem Herzinfarkt: Michel Berger, in Frankreich allbekannter Komponist, Pianist und Sänger bildet den roten Faden für einen eigenwilligen Konzertabend, an dem sich Rock’n’Roll und Chanson mit klassischen Liedern verbinden. Lena Spohn (Mezzosopran), Mildred Derenty-Camenen (Piano) und Bernhard Stengele (Moderation, Gesang) versuchen einen Spagat von Wolfgang Amadeus Mozart zu France Gall, mit der Michel Berger 16 Jahre lang verheiratet war. Sie strecken sich von Johnny Hallyday und Francoise Hardy, denen er beiden zu einem Comeback verhalf, zu Franz Schubert und Eric Satie – kreuzüber von einem Rheinufer zum anderen.